Leben, um die Erde zu lieben: Der Gyalwang Drukpa in Berlin

Klimawandel, Umweltverschmutzung, Digitalisierung, Ressourcenausbeutung - die Gesellschaft ist mehr denn je mit Herausforderungen konfrontiert, die sich global auswirken. Auf welchen Werten kann eine sichere Zukunft aufgebaut werden? Um auf diese und weitere Fragen zu antworten, hat der Gyalwang Drukpa auf Initiative von Gianna Wabner, der Präsidentin der Live To Love - Germany Stiftung, vom 12. bis 15. November Berlin besucht. Er nahm zahlreiche Interviews wahr und traf Persönlichkeiten, die sich unermüdlich für eine nachhaltige und sichere Zukunft einsetzen.

Auftakt des Besuchs war ein inspirierender Austausch mit Prof. Dr. Maja Göpel und Dr. Carsten Loose - die Generalsekretärin und ihr Stellvertreter des WBGU, dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen. Dabei ging es um die Frage, wie eine nachhaltige Veränderung zum Schutz der Natur etabliert werden kann.

Der Gyalwang Drukpa hob die Bedeutung des Mitgefühls hervor. Ebenso sei eine holistische Erkenntnis erforderlich. Darüber entstehe ein Verständnis für die Bäume, die Natur und letztlich für alle lebenden Wesen – dies sei das wahre große Mitgefühl und gerade hier sei das Thema Bildung immer bedeutender.

 

 
© Agnes Forsthuber

Maja Göpel unterstrich, dass jeder einzelne ein Verständnis braucht und jeder individuelle Beitrag zähle - sei dieser auch noch so klein. Gegenwärtig fehle das Bewusstsein dafür und viele resignierten angesichts der Klimaprobleme. Carsten Loose betonte das Missverständnis, die Natur sei als „Feind“ zu verstehen. Vielmehr ginge es darum, sich der Natur anzunehmen und etwas zurückzugeben.

Glücklich werden, indem man andere glücklich macht

Direkt danach ging es zum Change Congress 19: Der Gyalwang Drukpa war zu einem Interview mit Christoph Bertling, dem Geschäftsführer der Handelsblatt Fachmedien, eingeladen worden, in dem er inspirierende Ansätze einer nachhaltigen Unternehmensphilosophie vorstellte. Auf die Motivation komme es an: Geld verdienen nur für einen selbst oder mit einer größeren Perspektive, auch um anderen zu helfen? Oft würden Unternehmen gerne große Schritte machen wollen und dabei jedoch die kleinen vergessen. 

 
© Agnes Forsthuber

Der Gyalwang Drukpa rief dazu auf, sich auf das Wohlergehen des Landes, auf saubere Städte, auf die Natur und auf die Gesundheit auszurichten - weniger auf den eigenen Benefit. Besonders Führungspersonen hätten hier eine Verantwortung. Business as Happiness: Indem man andere glücklich mache, könne man selbst zum Glück gelangen.

Zwei Herzen schlagen für die Zukunft der Erde

Weiterer Höhepunkt bei dem Besuch des Gyalwang Drukpas in Berlin war das Treffen mit Luisa Neubauer, eine der Hauptorganisatorinnen von Fridays for Future in Deutschland. Er zollte ihr großen Respekt für den enormen Einsatz der Bewegung.

Immer mehr Leute würden sich des menschengemachten Klimawandels bewusst und seien bereit ihr Verhalten zu ändern, wozu ihre Bewegung offensichtlich einen großen Beitrag leiste.

Luisa Neubauer betonte, wie wichtig es für ihre Generation sei, ganz bewusst und in Verbindung mit dem Herzen zu handeln. Der gegenwärtige Protest dürfe nicht nur eine Modeerscheinung sein. Es sei wichtig einen echten Wandel zu etablieren. Zu sehen, was sich seit dem ersten Protesttag von Fridays for Future entwickelt habe, gebe ihr jedoch viel Kraft.

 
© Agnes Forsthuber

Der Gyalwang Drukpa erzählte von seinen Bemühungen sich für den Schutz der Erde einzusetzen und der Motivation zur Gründung von Live To Love. Da Bildung ein entscheidender Faktor für ein wachsendes Bewusstsein sei, berichtete er auch von der von ihm ins Leben gerufenen Drukpa Padma Karpo School im nordindischen Ladakh, wo die Kinder für ein nachhaltiges Handeln unterrichtet werden. Mittlerweile würden die Kinder ihr erlangtes Wissen an die Eltern weitergeben und damit wachse in der gesamten Region ein neues Bewusstsein für die Klimakrise. 

Interviews: Klima- und Umweltschutz sowie Gleichberechtigung

Die Geo-Redakteurin Vivian Pasquet und die freie Fotografin Nadja Wohlleben führten ein Interview mit dem Gyalwang Drukpa sowie der ihn begleitenden Nonne Lopön Jigme Tingdzin Zangmo über die Cycling Yatras for Peace. Bei diesen Events fahren Kung Fu Nonnen über mehrere Monate und tausende Kilometer auf dem Mountainbike durch den Himalaya, um die Bevölkerung über die Notwendigkeit des Umweltschutzes und die Gefahren des Menschenhandels aufzuklären. Ebenso spannend: die Begegnung mit Lukas Haas, der für die Zeitung „Der Tagesspiegel“ ein Interview führte.

 
© Agnes Forsthuber

Der Gyalwang Drukpa beschrieb die Philosophie seiner Bemühungen für den Umweltschutz und wie sehr es darauf ankomme zu realisieren, dass wir abhängig sind von den Elementen - von sauberer Luft zum Atmen und reinem Wasser zum Trinken, um gesund zu bleiben. Der Schlüssel für ein sinnvolles Handeln sei Bildung, um dann mit gutem Beispiel aktiv vorangehen zu können. Dann habe man die Wahl und könne Verantwortung übernehmen und dem eigenen Leben eine konstruktive Richtung geben.

 

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