Besuch der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge - Februar 2015

Malen, Basteln und Stricken mit Menschen, die ihre Heimat verloren haben. Bewegende Momente in der Erstaufnahmeeinrichtung in Hamburg-Harburg. Die Kinder dürfen malen, was sie möchten. Fast alle zeichnen mit ihren Buntstiften Häuser und Herzen.

Symbole für Geborgenheit und Liebe, so kann man das psychologisch deuten. Doch die Bilder entstehen nicht in einer Kita, sondern in einer Hamburger Einrichtung für Flüchtlinge. Und sie beschreiben nicht den Status quo, sondern die Sehnsucht dieser Flüchtlingskinder.

Ein Live-to-Love Team hat nach intensiver Vorbereitung eine Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Hamburg besucht. Mit selbstgebackenem Kuchen, Wolle zum Stricken für die Erwachsenen, Mal- und Bastelutensilien für die Kleinen wollten wir den dort lebenden Eltern und Kindern etwas Abwechslung und Freude in ihre von den Umständen erzwungene Bewegungslosigkeit zu bringen.

Uns war wichtig, statt mit ambitionierter Gutmenschen-Art aufzutreten, unser Angebot schlicht und respektvoll als Möglichkeit zu vermitteln. Und das kam an.

Zunächst zaghaft und zurückhaltend, dann aber immer mutiger nahmen Eltern und Alleinerziehende mit ihren Kindern an den Tischen Platz. Probierten den Kuchen, begannen zu handarbeiten oder zu malen. Am Ende strickten sogar einige Männer. Gäste und Bewohnern knüpften bunte Freundschaftsbänder als Zeichen der Verbundenheit.

copyright Agnes Forsthuber

Die Mitarbeiter der zentralen Anlaufstelle und Erstaufnahmeeinrichtung in Hamburg haben die Aktion unterstützt. Sie erbringen täglich nicht nur eine logistische Höchstleistung, sondern sind auch emotional äußerst gefordert. Natürlich berühren Fluchtgeschichten der Bewohner auch die Mitarbeiter der ZEA, die trotz hoher Professionalität auch so oft ins Mitgefühl kommen. Supervision hilft, auch emotional schwere Situationen fachgerecht und qualifiziert handhaben zu können.  

Das hat uns auch der Sozialarbeiter in der Einrichtung von Fördern und Wohnen aus Erfahrung bestätigt. Er kennt viele Sorgen und Nöte und auch die Angst, dass Familien durch das Verteilungssystem auseinander gerissen werden. Tatsächlich kann es passieren, dass Familien durch unterschiedliche Namen oder aus Altersgründen nicht als zusammengehörig erkannt werden, und ungewollt nach dem Königsteiner Schlüssel, dem Verteilungssystem in Deutschland in verschiedene Städte verteilt werden sollen. Hier wird schnell mit der Ausländerbehörde eine Lösung gesucht.

In Deutschland suchten im vergangenen Jahr laut Statistik 202 834 Flüchtlinge Schutz und Hilfe. Sie haben ihre Heimat unfreiwillig verlassen. Viele sind durch die Erlebnisse im Herkunftsland und auf der Flucht schwer traumatisiert. Statt uns vehement gegen ihr Leid abzugrenzen, sollten wir ihnen unser Mitgefühl zeigen. Dazu war unsere Initiative ein kleiner, aber wegweisender Schritt. Beim Abschied flüsterte ein Junge traurig in gebrochenem Englisch einem der Gäste zu, seine Mutter sei in dem brennenden Haus umgekommen, das sie fluchtartig verlassen mussten.
(15. Februar 2015)

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